Warum du vor dem ersten Angebot ein paar Daten sammeln solltest
Viele PV-Angebote sind schwer vergleichbar, weil sie auf unterschiedlichen Annahmen beruhen oder wichtige Positionen fehlen. Das führt zu Rückfragen, Missverständnissen und im schlimmsten Fall zu einer Anlage, die nicht zu deinem Haushalt passt. Wenn du dem Solarteur von Anfang an die richtigen Unterlagen und Eckdaten gibst, bekommst du deutlich passendere und besser vergleichbare Angebote. In diesem Artikel bekommst du eine praktische Checkliste, welche Daten du vorbereitest, welche Fragen du im Erstgespräch stellst und woran du versteckte Kosten und unrealistische Ertragsannahmen erkennst.
Ziel klären: Was soll deine PV-Anlage für dich leisten
Bevor du Zahlen sammelst, leg einmal fest, was dir wichtig ist. Das muss kein perfekter Plan sein, aber eine klare Richtung hilft bei der Auslegung und macht Angebote später vergleichbar.
- Willst du vor allem den Eigenverbrauch erhöhen oder möglichst viel einspeisen
- Ist ein Speicher für dich gesetzt oder erst einmal optional
- Möchtest du später erweitern können
- Ist dir ein Energie Management System wichtig
Wichtig: Schreib dir dein Ziel in einem Satz auf und nutze genau diesen Satz in jeder Anfrage. So rechnest du nicht unbemerkt mehrere Konzepte gegeneinander.
Checkliste Unterlagen und Daten für deine Anfrage
Wenn du mehrere Angebote einholst, schick jedem Anbieter dasselbe Datenpaket. Damit zwingst du alle auf die gleiche Datenbasis.
| Bereich | Was du lieferst | Wie genau reicht es |
|---|---|---|
| Stromverbrauch | Jahresstromverbrauch aus der letzten Stromrechnung | ideal: letztes Jahr, besser: 2 bis 3 Jahre zum Vergleich |
| Lastprofil | falls vorhanden ein Lastprofil oder stundenweise Daten | wenn du nichts hast, ist das ok, dann zumindest Verbrauch und Hinweise zu deinem Alltag |
| Zähler und Messkonzept | Foto vom Zähler und vom Bereich um den Zähler herum | so, dass Zählernummer und Umgebung erkennbar sind |
| Dach | Ausrichtung, Neigung, Verschattung | grob reicht, plus Fotos siehe nächster Abschnitt |
| Dachfläche | nutzbare Fläche und Hindernisse | grobe Maße oder Skizze, plus Fotos |
| große Verbraucher | Wärmepumpe, Wallbox oder E Auto | vorhanden, geplant, Zeitpunkt der Anschaffung |
| Ziel der Anlage | Eigenverbrauch oder Einspeisung und ob Speicher gewünscht ist | klar als Priorität formulieren |
Stromverbrauch und Haushaltsprofil sinnvoll angeben
Schick mindestens ein Foto oder einen Scan deiner letzten Stromrechnung. Daraus kann der Solarteur den Jahresstromverbrauch sauber entnehmen.
Praktischer Tipp: Wenn du die Rechnung ohnehin vorliegen hast, kannst du nebenbei deinen aktuellen Tarif gegenchecken, z. B. über einen kostenlosen Strom-Tarifvergleich. Falls du aktuell noch mit Gas heizt oder Gas im Haushalt nutzt, lohnt sich derselbe Schnellcheck auch beim Gas-Tarif.
Zusätzlich helfen kurze Fakten, damit Angebote nicht an deinem Alltag vorbeigeplant werden:
- wie viele Personen im Haushalt leben
- ob tagsüber oft jemand zuhause ist oder eher abends und am Wochenende
- ob du regelmäßig hohe Lasten hast, zum Beispiel durch Trockner, Sauna, Klimagerät oder viele Server Technik
Falls du ein Lastprofil hast, schick es mit. Wenn nicht, ist das normal. Dann sind die Zusatzinfos umso wichtiger.
Hinweis für Mieter: Wenn in deiner Heizkostenabrechnung CO₂-Kosten ausgewiesen sind, kannst du mit dem CO2Preisrechner prüfen, ob und in welcher Höhe eine anteilige Erstattung durch den Vermieter in Frage kommt.
Zukunftspläne strukturiert angeben: Wärmepumpe und E Auto
Viele Angebote werden unseriös, weil zukünftige Verbräuche schön oder schlecht gerechnet werden. Du hilfst am meisten, wenn du deine Pläne klar und knapp aufschreibst:
- Wärmepumpe: schon vorhanden oder geplant, und wann ungefähr
- Wallbox oder E Auto: schon vorhanden oder geplant, und ob regelmäßig zuhause geladen wird
- weitere größere Änderungen: Homeoffice, Ausbau Dachgeschoss, Einliegerwohnung, Pool
Schreib lieber ehrlich dazu, was noch unsicher ist. Dann kann der Anbieter eine Variante rechnen, statt stillschweigend Annahmen zu treffen.
Dach Check vorbereiten: Fotos, Maße, Verschattung, Zustand
Der Dachteil ist einer der größten Gründe, warum Angebote später nicht zusammenpassen. Sammle hier lieber ein paar Fotos mehr, statt zu wenig.
Welche Dachfotos wirklich helfen
- Foto vom Haus von vorne und von hinten
- Fotos von beiden Dachseiten, die für PV in Frage kommen
- Foto vom Dach aus der Nähe, wenn du sicher dran kommst, sonst vom Boden aus mit Zoom
- Fotos von Störstellen: Gauben, Dachfenster, Kamin, Schneefanggitter, Sat Schüssel
- Fotos von möglichen Verschattungen: Bäume, Nachbarhaus, Schornsteine
Wenn du einen Lageplan hast, lege ihn dazu. Ansonsten reicht oft eine einfache Skizze, in welche Himmelsrichtung die Dachfläche zeigt.
Dachausrichtung, Neigung und Verschattung angeben
Für deine Anfrage reicht erst einmal eine realistische Einschätzung:
- Ausrichtung der Dachfläche, zum Beispiel Süd, Südwest, Ost
- Neigung grob, zum Beispiel flach, mittel, steil
- Verschattung: morgens, mittags oder abends, und wodurch
Je klarer du Verschattung beschreibst, desto eher erkennst du später, ob die Ertragsprognose plausibel ist.
Dachzustand und mögliche Einschränkungen
Ein Angebot kann nur dann sauber sein, wenn der Anbieter weiß, worauf er sich einlässt. Notiere knapp:
- Alter des Dachs oder letzte Sanierung, falls du es weißt
- erkennbare Schäden oder bekannte Probleme
- ob du dir unsicher bist wegen Statik oder Dachaufbau
Wenn du hier unsicher bist, sag das offen. Wichtig ist, dass es nicht einfach verschwiegen wird und später als Zusatzkosten auftaucht.
Zählerschrank und Zählerfoto: Damit das Messkonzept nicht zum Kostenrisiko wird
Viele Überraschungen entstehen beim Zählerschrank. Darum ist das Zählerfoto Pflicht, am besten mit Umfeld.
Schick:
- Foto vom Zähler
- Foto vom Zählerschrank innen, wenn gefahrlos möglich, sonst nur außen
- Foto von Typenschild oder Beschriftungen, wenn gut lesbar
Ziel ist nicht, dass du etwas beurteilst, sondern dass der Anbieter die Situation sieht und nicht später pauschal nachkalkuliert.
Welche Angaben im Angebot darauf basieren müssen
Damit Angebote vergleichbar werden, sollten bestimmte Punkte im Angebot klar benannt sein und auf deinen Daten beruhen. Sonst vergleicht man schnell Äpfel mit Birnen.
Achte darauf, dass im Angebot konkret steht:
- geplante Anlagengröße in kWp
- welche Komponenten vorgesehen sind, zum Beispiel Wechselrichter und optional Speicher
- ob ein EMS vorgesehen ist und wofür es genutzt werden soll
- welche Annahmen für Verbrauch und zukünftige Verbraucher genutzt wurden
- wie Ertrag und Wirtschaftlichkeit berechnet wurden und mit welchen Annahmen
Wenn ein Anbieter deine Daten bekommen hat, aber im Angebot plötzlich andere Annahmen nutzt, frag nach. Genau dort verstecken sich oft später Diskussionen.
Fragen fürs Erstgespräch, damit du unseriöse Annahmen schnell erkennst
Du musst nicht technisch diskutieren. Es reicht, wenn du ein paar Fragen konsequent stellst und dir die Antworten notierst.
Fragen zur Auslegung und Datenbasis
- Welche meiner Angaben waren entscheidend für die Auslegung
- Mit welchem Jahresstromverbrauch wurde gerechnet
- Wurden Wärmepumpe oder Wallbox berücksichtigt, und wie
Fragen zu Ertragsprognose und Wirtschaftlichkeit
- Welche Verschattung wurde angenommen
- Welche Ertragsannahmen wurden genutzt und warum passen sie zu meinem Dach
- Wie empfindlich ist die Rechnung, wenn sich mein Verbrauch anders entwickelt
Wenn dir jemand eine perfekte Wirtschaftlichkeit verspricht, ohne sichtbar auf deine Dach und Verbrauchsdaten einzugehen, ist das ein Warnsignal.
Fragen zu Service, Monitoring und Anbieterqualität
- Welche Garantien sind enthalten und für welche Teile
- Welche Serviceleistungen sind im Preis enthalten, und was kostet extra
- Welche Monitoring Lösung ist dabei und wie wird sie genutzt
Du willst am Ende nicht nur Hardware, sondern eine Anlage, die sauber dokumentiert ist und im Alltag verständlich überwacht werden kann.
Versteckte Kosten im Angebot: diese Positionen musst du aktiv prüfen
Selbst wenn die Hauptkomponenten gleich sind, können Angebote stark abweichen, weil einzelne Kosten ausgelassen oder nur pauschal vage genannt werden.
Achte besonders auf:
- Gerüst und Zugang zum Dach
- Elektrik Arbeiten im Haus
- Arbeiten am Zählerschrank
- Anmeldung und Abnahme, inklusive aller notwendigen Schritte
- zusätzliche Bauteile und Umbauten, die erst nach Vor Ort Termin auftauchen sollen
Wenn eine dieser Positionen fehlt, frag schriftlich nach, ob sie enthalten ist. Nur so kannst du Angebote sauber vergleichen.
So machst du Angebote wirklich vergleichbar
Wenn du mehrere Angebote auf dem Tisch hast, hilft dir diese Vorgehensweise:
- Prüfe, ob alle Anbieter dieselbe Datenbasis genutzt haben, vor allem Jahresverbrauch, Dach und zukünftige Verbraucher.
- Vergleiche die Eckdaten: kWp, Wechselrichter, Speicher ja oder nein, EMS ja oder nein.
- Suche nach fehlenden Kostenblöcken wie Gerüst, Elektrik, Zählerschrank, Anmeldung.
- Lege den Fokus auf die Annahmen hinter Ertrag und Wirtschaftlichkeit, nicht nur auf die schöne Endsumme.
- Vergleiche Garantien, Service, Monitoring und die erwartete Betreuung nach der Installation.
Wenn du dabei merkst, dass ein Angebot viele Unklarheiten enthält, ist das nicht nur lästig. Es ist ein echtes Risiko für Nachträge und Diskussionen.
Fazit: Mit einem einheitlichen Datenpaket bekommst du bessere PV-Angebote
Wenn du Jahresstromverbrauch, Dachinfos, Zählerfoto und deine Pläne für Wärmepumpe oder E Auto sauber vorbereitest, werden Angebote deutlich transparenter und vergleichbarer. Achte dann konsequent auf versteckte Kosten und darauf, dass Ertrags und Wirtschaftlichkeitsannahmen zu deinem Dach und deinem Haushalt passen. So reduzierst du Rückfragen und bekommst eher eine Anlage, die in der Praxis wirklich zu dir passt.