Kostenvergleich: Warmwasser-Wärmepumpe vs. Gas-Warmwasser, Boiler und Durchlauferhitzer (so rechnest du richtig)
Wenn du wissen willst, ob eine Brauchwasser- oder Warmwasser-Wärmepumpe sich für dich lohnt, stößt du schnell auf ein Problem: Du kennst deinen echten Warmwasseranteil oft nicht, und Herstellerwerte zum COP passen selten 1 zu 1 zu deiner Wohnung oder deinem Keller. Gleichzeitig bleibt das Gefühl, dass „elektrisch“ automatisch teuer sein muss. In diesem Artikel bekommst du eine nachvollziehbare Rechenlogik, mit der du deine laufenden Kosten realistisch vergleichst und typische Rechenfehler vermeidest.
Worum es bei der Rechnung wirklich geht
Eine Warmwasser-Wärmepumpe macht aus Strom und Umgebungswärme warmes Wasser. Ob das günstiger ist als dein heutiges System, hängt nicht an einem einzelnen Pauschalwert, sondern an drei Bausteinen:
- deinem Warmwasserbedarf und deiner Warmwasser-Solltemperatur
- der realistischen Effizienz bei dir, also COP und vor allem JAZ
- den Kosten je Kilowattstunde Wärme, inklusive CO₂-Kosten bei fossilen Brennstoffen und inklusive Speicherverlusten
Wichtig ist: Du vergleichst nicht „Gerät gegen Gerät“, sondern „Kosten pro Jahr für die gleiche Warmwassermenge“ und zwar mit denselben Annahmen.
Welche Eingaben du wirklich brauchst und wie du sie schätzt
Du brauchst weniger Daten, als viele denken. Aber du musst sie so wählen, dass sie zu deinem Alltag passen.
Warmwasserbedarf grob festlegen
Für eine erste Vergleichsrechnung reichen zwei Dinge:
- Personenanzahl im Haushalt
- Nutzungsprofil, also ob eher kurz geduscht wird, ob oft gebadet wird und ob Warmwasser auch tagsüber viel genutzt wird
Wenn du unsicher bist, rechne nicht mit einem einzigen Wert, sondern mit einem Korridor. Genau das macht die Rechnung belastbar: Du siehst, ab wann sich das Ergebnis dreht.
Warmwasser-Solltemperatur und Nutzungszeiten notieren
Die Warmwasser-Solltemperatur ist ein Kernhebel für die Effizienz. Je höher du sie ansetzt, desto schwieriger arbeitet die Wärmepumpe und desto stärker kippt die Wirtschaftlichkeit.
Zusätzlich wichtig: Wann brauchst du Warmwasser wirklich. Das spielt später bei PV-Überschuss, Tarifen, Sperrzeiten und Lastmanagement eine Rolle.
Deine Preise zusammentragen
Du brauchst:
- Strompreis, der für die Warmwasser-Wärmepumpe relevant wäre
- Preis deiner bestehenden Heizungsart, also Gas, Öl oder Fernwärme
- bei Gas oder Öl zusätzlich die CO₂-Kostenlogik, weil sie deine Wärmekosten mit beeinflusst
Wenn du verschiedene Tarife nutzt oder über einen Wechsel nachdenkst, rechne auch hier nicht nur mit einem Wert, sondern mit zwei bis drei Szenarien.
Praktischer Tipp: Für realistische Szenarien kannst du deinen aktuellen Arbeitspreis mit einem aktuellen Vergleich abgleichen – z. B. über den kostenlosen Rechner für Gas-Tarife bzw. Strom-Tarife.
Speicher und Verluste berücksichtigen
Wenn du Warmwasser in einem Warmwasserspeicher oder Boiler vorhältst, hast du Bereitschaftsverluste. Die hängen stark von Speichergröße, Dämmung und Temperatur ab.
Für die Rechnung brauchst du deshalb zusätzlich eine Annahme oder Schätzung zu Speicherverlusten. Wenn du sie weglässt, wird die Rechnung oft zu optimistisch.
Kostenarten sauber trennen
Damit du später nicht Äpfel mit Birnen vergleichst, trenne diese Kostenarten:
- Investition
- Installation
- Wartung
- laufende Strom- oder Brennstoffkosten
So kannst du erst die laufenden Kosten vergleichen und danach entscheiden, ob sich die Investition über die Jahre rechnet.
COP und JAZ richtig einsetzen statt Herstellerwerte zu übernehmen
COP ist nicht gleich Praxis
Der COP ist ein Momentwert unter bestimmten Bedingungen. Für deine Kostenrechnung ist die JAZ wichtiger, also die Effizienz über die Zeit im echten Betrieb.
Typische Gründe, warum der reale Wert abweicht:
- andere Temperaturen als im Datenblatt
- andere Warmwasser-Solltemperatur
- Speicherverluste und häufiges Nachheizen
- Aufstellort und Lufttemperatur, zum Beispiel im kühlen Keller
So nutzt du COP und JAZ sinnvoll in der Rechnung
Statt „der eine richtige Wert“ funktioniert in der Praxis besser:
- optimistische Annahme
- realistische Annahme
- vorsichtige Annahme
Du rechnest alle drei durch. Dann siehst du, ob die Warmwasser-Wärmepumpe auch dann noch sinnvoll ist, wenn die Realität nicht perfekt ist.
Schritt für Schritt Rechenlogik für den Kostenvergleich
Schritt 1: Jährlichen Warmwasser-Wärmebedarf festlegen
Du startest mit deiner Schätzung aus Personenanzahl und Nutzungsprofil und formst daraus einen jährlichen Wärmebedarf für Warmwasser. Wenn du unsicher bist, nimm drei Varianten, zum Beispiel niedrig, mittel, hoch.
Wichtig: Warmwasserbedarf ist nicht nur die Nutzung, sondern plus Speicherverluste, falls du mit Warmwasserspeicher oder Boiler arbeitest.
Schritt 2: Stromverbrauch der Warmwasser-Wärmepumpe berechnen
Die Grundlogik ist:
Dann ergänzt du Speicherverluste, falls du sie nicht schon im Wärmebedarf enthalten hast.
Schritt 3: Laufende Kosten der Warmwasser-Wärmepumpe berechnen
Wenn du PV-Überschuss nutzen kannst, bildet sich dein effektiver Strompreis aus einem Mix. Dann rechnest du sauber mit zwei Anteilen:
- Anteil mit PV-Überschuss zu deinem effektiven PV-Stromwert
- Restbezug aus dem Netz zu deinem Stromtarif
Schritt 4: Laufende Kosten deines bestehenden Systems berechnen
Hier unterscheidest du nach bestehender Heizungsart:
- Gas oder Öl: Brennstoffkosten plus CO₂-Kostenlogik
- Fernwärme: deine relevanten Wärmekosten
- Elektroboiler: Stromverbrauch mal Strompreis plus Bereitschaftsverluste
- Durchlauferhitzer: Stromverbrauch mal Strompreis, oft ohne Speicherverluste, aber stark abhängig von Nutzungszeiten und Leistung
Für Gas und Öl setzt du die CO₂-Kosten zusätzlich zum Brennstoffpreis an. So vergleichst du fair, weil fossile Wärme nicht nur aus dem reinen Brennstoffpreis besteht.
Hinweis für Mieter: Wenn in deiner Abrechnung CO₂-Kosten für Gas auftauchen, kannst du mit dem CO2Preisrechner prüfen, ob ein Erstattungsanteil vom Vermieter in Frage kommt und dir auf Basis deiner Rechnung eine CO₂-Kostenabrechnung als PDF erstellen.
Schritt 5: Ergebnis als Vergleich statt Pauschalwert interpretieren
Am Ende hast du pro System jährliche Kosten für die gleiche Warmwassermenge. Jetzt entscheidest du nicht über „gut oder schlecht“, sondern beantwortest diese Fragen:
- Bei welchem Strompreis und welcher JAZ ist die Warmwasser-Wärmepumpe günstiger als Gas, Öl oder Fernwärme
- Wie stark wirkt die Warmwasser-Solltemperatur in deiner Rechnung
- Wie stark kippt das Ergebnis, wenn du Speicherverluste höher ansetzt
- Wie viel bringt PV-Überschuss wirklich, gemessen an deinen Nutzungszeiten
Typische Rechenfehler, die das Ergebnis verzerren
Zu hohe COP oder JAZ angenommen
Der häufigste Fehler ist, einen Herstellerwert zu übernehmen, ohne die eigenen Randbedingungen zu prüfen. Das macht die Warmwasser-Wärmepumpe auf dem Papier schnell zu gut.
Besser: Rechne mit drei Szenarien und prüfe, ob das Ergebnis auch im vorsichtigen Fall noch plausibel ist.
Falsche Temperaturen angesetzt
Zwei klassische Stolperstellen:
- Warmwasser-Solltemperatur zu niedrig angesetzt, obwohl du in der Praxis höher fährst
- Temperatur am Aufstellort ignoriert, obwohl die Wärmepumpe im kühlen Keller arbeitet
Beides senkt die reale Effizienz und erhöht die Stromkosten.
Speicherverluste vergessen oder doppelt gerechnet
Viele Rechnungen sind zu optimistisch, weil Speicherverluste fehlen. Andere werden zu pessimistisch, weil Verluste zweimal eingerechnet werden, einmal im Wärmebedarf und einmal zusätzlich.
Entscheide dich für eine Logik und bleib dabei konsequent.
Rebound Effekt durch Keller oder Raumkühlung nicht bedacht
Eine Warmwasser-Wärmepumpe entzieht der Umgebung Wärme. Das kann den Keller spürbar abkühlen. Das ist nicht automatisch schlimm, aber es wird dann zum Kostenfaktor, wenn du den gekühlten Bereich indirekt wieder mitheizen musst oder die Randbedingungen dadurch schlechter werden als gedacht.
Für die Plausibilitätsprüfung heißt das: Aufstellort und Nutzung des Raums gehören in deine Annahmen.
PV-Überschuss, Tarife, Sperrzeiten und Lastmanagement richtig einordnen
PV-Überschuss bringt nur etwas, wenn die Laufzeit passt
Wenn du Warmwasser vor allem morgens und abends brauchst, dein PV-Überschuss aber mittags entsteht, musst du über Speicher und Laufzeiten nachdenken. Dann wird der Warmwasserspeicher zum Taktgeber: Du kannst eher dann aufheizen, wenn Strom günstig ist oder PV-Überschuss da ist, bezahlst dafür aber mit höheren Speicherverlusten bei höheren Temperaturen.
Tarife und Sperrzeiten können die Rechnung verändern
Wenn dein Stromtarif zeitabhängig ist oder wenn es Sperrzeiten gibt, beeinflusst das:
- wann die Wärmepumpe laufen darf
- wie hoch der Anteil teurer Zeiten ist
- ob du Lastmanagement nutzen kannst, um Laufzeiten zu verschieben
Für deine Rechnung heißt das: Nutze nicht nur einen Strompreis, wenn dein Alltag oder dein Tarif real stark schwankt.
Direkter Vergleich der Systeme mit denselben Kriterien
| System | Was du für die Rechnung brauchst | Worauf du besonders achten solltest |
|---|---|---|
| Brauchwasser oder Warmwasser-Wärmepumpe | Warmwasser-Wärmebedarf, JAZ, Strompreis, Speicherverluste, Wartung, Investition und Installation | JAZ nicht mit COP verwechseln, Temperaturannahmen, Aufstellort, PV-Überschuss und Laufzeiten |
| Gas Warmwasser über bestehende Anlage | Warmwasser-Wärmebedarf, Gaspreis, CO₂-Kosten, Wartung | CO₂-Kosten nicht vergessen, gleiche Warmwassermenge wie bei der Wärmepumpe ansetzen |
| Öl Warmwasser über bestehende Anlage | Warmwasser-Wärmebedarf, Ölpreis, CO₂-Kosten, Wartung | gleiche Vergleichslogik, CO₂-Kosten als Zusatzbelastung berücksichtigen |
| Fernwärme Warmwasser | Warmwasser-Wärmebedarf, relevante Wärmekosten | gleiche Kriterien anwenden und nicht nur mit Bauchgefühl gegen Strom vergleichen |
| Warmwasserspeicher oder Boiler elektrisch | Warmwasser-Wärmebedarf, Strompreis, Bereitschaftsverluste | Speicherverluste sind oft ein großer Hebel |
| Durchlauferhitzer | Warmwasserbedarf nach Nutzungsprofil, Strompreis | Nutzungszeiten und Warmwasser-Solltemperatur entscheiden stark über die Kosten |
Fazit
Ob eine Warmwasser-Wärmepumpe für dich sinnvoll ist, hängt weniger von einem idealen COP ab, sondern von deiner realistischen JAZ, deiner Warmwasser-Solltemperatur und den Speicherverlusten. Wenn du mit Szenarien rechnest, CO₂-Kosten bei Gas oder Öl einbeziehst und PV-Überschuss sowie Tarife sauber als Mischpreis abbildest, bekommst du eine belastbare Entscheidung statt einer Schönrechnung.