1 °C weniger im Winter: Was bedeutet das für die optimale Raumtemperatur – und wie viel Heizenergie spart es wirklich?
Im Winter in der Heizperiode fragen sich viele Mieter, ob 21 °C zu warm sind oder ob man mit 1 °C weniger wirklich spürbar Heizkosten sparen kann. Gleichzeitig willst du es zu hause bequem haben und nicht den ganzen Tag an den Thermostaten drehen. Genau hier hilft eine einfache Faustregel, die du dann sinnvoll auf einzelne Räume und deinen Alltag überträgst. In diesem Artikel lernst du, was die 6 Prozent pro Grad wirklich bedeuten, wo Absenken am meisten bringt und welche typischen Denkfehler dich unnötig Komfort kosten.
Die 6 Prozent pro Grad Faustregel verständlich eingeordnet
Was die Faustregel sagt
Die bekannte Faustregel lautet: 1 °C weniger Raumtemperatur kann ungefähr 6 Prozent Heizenergie und damit oft auch Heizkosten sparen. Gemeint ist der Effekt auf deinen Heizenergieverbrauch, also darauf, wie viel Wärme dein Heizsystem in die Wohnung liefern muss, um deine Zieltemperaturen zu halten.
Wichtig ist dabei: Es geht um eine Änderung deiner Zieltemperatur. Wenn du im Winter zum Beispiel konsequent 1 °C niedriger heizt als vorher, kann sich das über die Heizperiode bemerkbar machen.
Was die Faustregel nicht sagt
Die 6 Prozent sind keine Garantie und auch kein exakter Messwert für jede Wohnung. Die tatsächliche Wirkung hängt unter anderem davon ab:
- wie kalt der Winter ist und wie lange du heizt
- wie gut das Gebäude gedämmt ist und wie dicht Fenster und Türen sind
- wie du lüftest und wie gleichmäßig du deine Raumtemperatur hältst
- welche Räume du absenkst und wie stark
Die Faustregel hilft dir also vor allem als Orientierung, um Entscheidungen zu treffen, nicht als perfekte Vorhersage auf den Euro genau.
So rechnest du schnell mit der Faustregel
Wenn du wissen willst, was 1 °C weniger bedeuten kann, kannst du mit einer einfachen Überschlagsrechnung arbeiten.
ist die Temperaturänderung in °C, also zum Beispiel 1 oder 2.
Beispiel mit typischen Rechenwegen:
| Annahme | 1 °C weniger | 2 °C weniger |
|---|---|---|
| 120 € Heizkosten im Monat | ca. 7,20 € weniger | ca. 14,40 € weniger |
| 900 € Heizkosten pro Heizperiode | ca. 54 € weniger | ca. 108 € weniger |
Das ist genau der Punkt, den viele unterschätzen: Kleine Änderungen wirken sich über Wochen und Monate aus.
Praktischer Tipp für Mieter: Wenn du wissen willst, wie sich deine Heizenergie auch bei den CO₂-Kosten auswirkt (und ob dir ggf. eine Erstattung durch den Vermieter zusteht), kannst du deine Abrechnung mit dem CO2Preisrechner prüfen und eine CO₂-Kostenabrechnung als PDF erstellen.
Welche Räume du zuerst absenken solltest und welche nicht
Wenn du Heizkosten senken willst, ohne dass es insgesamt ungemütlich wird, bringt es am meisten, nicht überall gleich zu sparen, sondern nach Nutzung zu priorisieren. Der Komfortbedarf ist je Raum unterschiedlich und genau da liegt die größte Stellschraube.
Räume mit wenig Aufenthaltszeit zuerst
Typische Kandidaten, bei denen 1 °C weniger oft am wenigsten auffällt, sind:
- Flur
- Küche (oft reicht es, wenn es nicht auskühlt, weil Herd und Bewegung ohnehin Wärme bringen)
Hier geht es weniger um eine perfekte Wohlfühltemperatur, sondern darum, dass es praktisch bleibt und du keine kalten Übergänge in der Wohnung hast.
Bad ist die Komfortausnahme
Im Bad willst du es zu bestimmten Zeiten meist wärmer als im Rest der Wohnung. Der Trick ist weniger, das Bad pauschal kalt zu fahren, sondern den Komfort zeitlich zu organisieren:
- wärmer nur dann, wenn du es wirklich nutzt
- danach wieder auf eine niedrigere Zieltemperatur zurück
So verlierst du nicht den Komfort, senkst aber trotzdem über den Tag die durchschnittliche Raumtemperatur.
Wohnräume nur so weit senken, dass es alltagstauglich bleibt
Im Wohnbereich merkst du 1 °C weniger meist deutlicher als im Flur. Hier funktioniert oft am besten:
- erst einmal nur 1 °C absenken
- ein paar Tage testen, ob es für dich passt
- erst dann entscheiden, ob du noch weiter runtergehst
So kommst du zu deiner persönlichen optimalen Raumtemperatur im Winter, ohne dich zu ärgern oder direkt zu viel auf einmal zu verändern.
Praktisch umsetzen über den Tag, ohne ständig am Thermostat zu hängen
Viele sparen nicht daran, dass sie zu warm heizen, sondern daran, dass sie es im Alltag nicht konsequent hinbekommen. Damit es praktisch bleibt:
- Arbeite mit festen Zieltemperaturen je Raum, statt ständig nach Gefühl zu drehen.
- Senke vor allem dann ab, wenn du einen Raum sicher nicht nutzt, statt überall dauerhaft zu sparen.
- Mach Änderungen in kleinen Schritten, zum Beispiel erst 1 °C, damit du die Wirkung auf Komfort und Kosten realistisch einschätzen kannst.
Wenn du damit anfängst, reichen oft wenige, bewusst gewählte Stellschrauben, statt eines kompletten Umstellungsprogramms.
Typische Fehlannahmen beim Absenken im Winter
Zu starkes Absenken bringt nicht automatisch mehr
Viele denken: Je kälter, desto besser. Praktisch führt zu starkes Absenken aber oft dazu, dass du später wieder stark nachheizt und dich zwischendurch unwohl fühlst. Besser ist meist eine moderate, konstante Absenkung, die du durchhältst.
Überall gleich heizen verschenkt Potenzial
Wenn jeder Raum die gleiche Raumtemperatur hat, heizt du automatisch Bereiche mit, in denen du kaum bist. Genau deshalb ist das Priorisieren so wichtig: Flur und Küche zuerst, Bad gezielt nach Nutzung, Wohnräume vorsichtig in 1-°C-Schritten.
6 Prozent pro Grad ist eine Orientierung, kein exakter Kassenbon
Wenn du nach ein paar Wochen keine exakt 6 Prozent erkennst, heißt das nicht, dass es nichts bringt. Die Heizperiode hat Schwankungen, und dein Ergebnis hängt stark davon ab, wie konsequent du die neue Zieltemperatur wirklich einhältst.
Fazit
1 °C weniger Raumtemperatur kann in der Heizperiode als Faustregel etwa 6 Prozent Heizenergie und damit Heizkosten sparen, vor allem wenn du die Absenkung konsequent durchziehst. Am meisten bringt es, zuerst Räume mit geringem Komfortbedarf wie Flur oder oft auch Küche abzusenken und beim Bad eher über Zeiten statt über Dauer zu steuern. Wenn du in 1-°C-Schritten vorgehst, findest du eine optimale Winter-Raumtemperatur, die Kosten senkt, ohne dass du auf Wohnkomfort verzichten musst.
Wenn du neben dem Verbrauch auch den Preishebel nutzen willst, kann ein Vergleich deines aktuellen Tarifs sinnvoll sein – z. B. mit dem kostenlosen Rechner für Gas-Tarife oder (bei elektrischer Heizung/Haushaltsstrom) für Strom-Tarife.